Kater nach großer Skripnik-Party

Der Euphorie-Trip der letzten Monate wird von mir als überragende Erfahrung verbucht. Toll, nach Jahren des Frusts, der Suche nach Gründen und Argumenten, sowie ständiger Negativerlebnisse mal wieder eine intakte Mannschaft auf dem Platz zu sehen. Eine Truppe von teils sehr jungen, hungrigen Spielern, die allesamt wirkten, als sei ihnen alles zuzutrauen und ein Trainer, der mit seiner Art und Überzeugungskraft bei Spielern und Fans über Nacht zu einer Art Popstar avancierte – wenigstens in Fußballkreisen. Vom eingetüteten Selke-Wechsel und den damit einhergehenden Misstönen mal abgesehen gab es kaum noch Negatives zu berichten. Einfach nur gut.

Das jetzt ist dann wohl der Kater nach der großen Skripnik-Party. Der Autor ist ja nun tatsächlich einigermaßen beruhigt, angesichts der Tatsache, dass sein Verein bei der nun seit ein paar Wochen laufenden Niemandsland-Safari endlich wieder auf die Realität trifft. Auch wenn große Teile der Religionsgemeinschaft „Grün-Weiß Social Web“ exakt wissen, wer sie vom lange verdienten Europapokal fernhält (gestern beim Spiel gegen Titharnik und den „Duttore“ waren es natürlich überdeutlich Schiedsrichter Günter Perl und „Torwart“ Rafael Wolf), wird es allein aus eigenem Unvermögen kaum was werden mit den anvisierten Erfolgen. Werder weigert sich aktuell mehr gegen Europa als die AfD.

1688190_1_articledetailpremium_NOR_20150412_rst071_1_

Man sollte doch langsam eher mal in Erwägung ziehen, dass diese Mannschaft sich im Rausch des „Skripnik-Effekts“ in der öffentlichen Wahrnehmung dermaßen selber aufgeblasen hat, dass in der Bundesliga nach dem aktuellen Leistungsabfall am Ende wohl nicht mehr als ein sicherer Mittelfeldplatz herausspringt. Der Autor tut das. Mit Vermutungen wie „Europa kommt zu früh“ oder der überzeugten Haltung „primär interessiert mich nichts außer dem faktischen Klassenerhalt“ fühlte er sich in einigen Diskussionsrunden der letzten Wochen zwar wie ein Schnösel der Jungen Union am 1. Mai in Berlin Kreuzberg, aber gut – dass Erwartungen und Forderungen mittlerweile wöchentlich neu formuliert werden, müsste man endlich mal verinnerlichen.

Der SV Werder Bremen im April 2015 verwandelt sich zurück in die vielbesagte Wundertüte früherer Tage. Das ist in Ordnung – denn es stimmt einiges mehr an der Weser, als noch vor ein paar Monaten. Ein exzellenter Trainer wird Hand in Hand mit einer überzeugenden sportlichen Leitung das Team weiterentwickeln, welches auf einem wirklich guten Weg ist. Aktivposten haben verlängert, Leistungsträger sehen Werder bei anstehenden Verhandlungen wieder als Option, der Kapitän wird verlängern (oder ist das noch einen Frage?) und und und … ach ja, Boro ist zurück – geil, oder?!

Am kommenden Wochenende dreht man der großen Peter Knäbel-Show im Weserstadion hoffentlich sehr überzeugend den Saft ab … und danach wird man auch nicht mehr alle Spiele verlieren. Das ist es, was ich erwarte und das ist es, was man angesichts der aktuellen Gesamtsituation aus meiner Sicht erwarten kann. Verglichen mit dem Herbst 2014 leben wir doch bereits in einer anderen, besseren grün-weißen Welt.

Burning Bush

 

(Foto: nordphoto)

 

Advertisements