Mainz oder Turin – Hauptsache Classico!

HEADERDiese Seite sollte nie der Spielanalyse dienen oder sich damit beschäftigen, mit welchem System oder Spielermaterial ein Trainer versucht, die Abwehrreihe des Gegners zu knacken.  Keine Aufstellungen, Taktik oder irgendwelche Werte in Prozenten. Der Autor dachte sich vielmehr, dass die erderschütternde Zäsur im Sommer 2013 Folgen haben würde. Er sah sich selber, gemeinsam mit den Herren Dutt und Eichin in eine grün-weiße Achterbahn einsteigen und meinte, es wäre eine gute Idee, die anstehenden Beobachtungen via www.werder2013.de in die Welt zu setzen. Daher auch jetzt wieder nichts Detailliertes zum Spiel, sondern vielmehr ein paar Gedanken zum Drumherum. (Von Fußball habe ich eh so gut wie keine Ahnung.)

Mein Verein hat ein Alleinstellungsmerkmal – sowas finde ich immer geil. Dieses spezielle ist allerdings einigermaßen gewöhnungsbedürftig. Mein Verein schafft es, mir nach der wohl besten halben Stunde der laufenden Saison – im Spiel gegen Schalke – im direkt folgenden, nächsten Spiel ohne mit der Wimper zu zucken die erschreckendsten 20 Minuten der selben Spielzeit einzuschenken. In dieser Disziplin schalten sie um wie die Größten, da sind sie konsequent und ziehen ihr Ding durch, die Spieler meines Vereins – da halten nicht viele Clubs dieser Welt mit.

Werder Bremen v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga

Ja genau, es geht um Bundesligafußball. Während andere ihre Spitzenspiele mit skurril und irgendwie unangenehm anmutenden Titeln wie „Deutsches Classico“ feiern, sind u.a. wir bei WERDER für das Tagesgeschäft zuständig. Ich meine diesen Unterbau, in dem jeder jeden schlagen kann und der Geschichten schreibt, wie nur der Fußball es kann. Man kommt sich an solchen Wochenenden zwischen BVB- u. Bayern-Fans vor, wie eine Art mittelmäßiger Laiendarsteller eines Fußballfans. Kann man wie ich aber schnell in diesen “ehrlich-dreckig-wahr-Underdog-Modus“ umswitchen, kommt man gut klar.

In diesem Teil der Bundesliga also sah es für mich gestern so aus: Nach zwei schnellen, bemerkenswerten Gegentoren  (20 Minuten wie ein Absteiger) war man dann zwar drin im Spiel, aber trotz großer Moral, reichte die verbleibende Zeit nicht aus, um das Ding noch zu reißen. Drittes Gegentor, BOING! Bei der Anzahl eigener Möglichkeiten, am Ende viel zu wenig – in Anbetracht der ersten 20 Minuten am Ende in Ordnung. Herr Mielitz erwischte von allen schlechten Tagen den miesesten und verbeulte damit seine Leistungskurve der letzten Wochen, ist aber nicht der Rede wert, wenn man davon ausgeht, dass jeder solche Tage hat. Insgesamt starke Aufholjagd. Außerdem Selke stark, Di Santo Tor, Kroos verletzt. Wir haben ein Spiel verloren, welches wir hätten nicht verlieren müssen. Nicht zum ersten Mal und bei allem Optimismus – nicht zum letzten Mal. Ich wiederhole mich ungern, aber: Nicht absteigen – Nicht absteigen – Nicht absteigen – usw.

Da ich gestern in Berlin festhing und klar war, dass ich das Heimspiel nicht im Stadion sehen werde, schaute ich mir die Partie wieder einmal beim FISCHMOB BERLIN im ALOIS S. in Prenzlauer Berg an. Der offizielle WERDER-Fanclub, dem ich vor etwas weniger als 10 Jahren beitrat zeichnet sich für mich vor allem dadurch aus, dass der Verein WERDER den Mitgliedern weit mehr am Herzen liegt, als das Produkt. Es wird gemeckert und geflucht – aber in einem wirklich respektablen Rahmen. Die Erwartungen sind realistisch und man fiebert mit. Egal wann. Ich bin sehr froh, gestern dort, und nicht im Weserstadion gewesen zu sein. Was mir sowohl durch die Übertragung, als auch durch Schilderung vieler Freunde und Bekannter aus dem Stadion deutlich wird: Wenn große Teile des, über die Jahre einfach zu sehr verwöhnten, Publikums bei Ihrem Support in schlechten Phasen nur halb so gut wären, wie in den Fächern „Ironie & Häme“, hätte kaum eine Mannschaft eine Chance an der Weser. Mehr dazu vielleicht an anderer Stelle – es kotzt mich an.

Beim nächsten Spiel gegen Mainz kann Herr Tuchel sich dann mal warm anziehen. Dann wird nämlich die Große WERDER feat. JUVE-Rakete gezündet.  Im Ernst: Thomas Eichin wird auf dem Weg zu Lösungen kreativ. Keiner weiß, was bei einer solchen Kooperation wirklich herauskommt, aber die Vorstellung, dass unser Team durch Qualität dieser Art ergänzt wird, schmeckt mir. Wie Robin Dutt vielfach betont hat, wird er pro Saison maximal einen oder zwei Nachwuchsspieler „hochbringen“ können. Insofern müssen wir unterschiedliche Wege beschreiten um uns weiter zu entwickeln. Der Ansatz von Eichin hat eine Chance verdient.

Meine Hoffnung, in der Hinrunde noch 5 Punkte ergattern zu können, ist nach diesem Spiel  etwas zum Erliegen gekommen, zugegeben. Hoffenheim und Hertha müssen nun auswärts dran glauben – so sympathisch, wie ich die beiden Clubs wahrnehme, kann ich mir die Realisierung in einigen Tagen aber sicher konkret und einfach vorstellen. Über die Heimspiele gegen den FC Höhneß und Leverkusen muss man nicht reden – 1 Punkt und ich zieh‘ mich aus.

Heute Abend dann „Süd-Classiso“ 1860 – Fürth. Guck ich nicht – in der Achterbahn gibt’s keinen Screen.

#werder2013

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