Absteiger ohne Abstieg

Man kann über den Mann sagen, was man will. Ich kenne viele Menschen, die beruflich an ihm verzweifelten oder die Zusammenarbeit (soweit man das so nennen konnte) als beschwerlich, teilweise auch unangenehm empfanden.

Im Dunstkreis von Eintracht Frankfurt und insbesondere aus Kreisen der dortigen Fanszene scheint es so gut wie illusorisch, auch nur ein einziges gutes Wort über den Mann in Erfahrung bringen zu können – zu tief sitzt der Stachel eines der größten Missverständnisse der letzten Jahrzehnte und auch in Hannover wird sich in den letzten Wochen ihm zu Ehren kein Fanclub gegründet haben, wobei es im Umfeld der Niedersachsen ob der kaum zu bewerkstelligenden Aufgabe sogar die ein oder andere mitleidige Stimme gibt.

Thomas Schaaf ist und war nie jedermanns Sache und man muss an dieser Stelle ehrlich sein: Das hat er auch nie beansprucht. Schaaf ist gerade beim zweiten Bundesligaverein hintereinander gescheitert. Nach Frankfurt, wo er nie ankam und nach semi-absurd anmutenden Auseinandersetzungen mit Mannschaft, Verein und Fans das Weite suchte, legte er als Chefcoach von Hannover 96 eine Niederlagenserie hin, die wohl nur Dieter Eilts (Welttrainer!) noch so etwas wie Erfurcht entlockte. Schaaf hat es nach seiner ruhmreichen Zeit bei Werder Bremen nicht geschafft in der Bundesliga. Thomas Schaaf ist ein Absteiger – einer ohne Abstieg.

Ich wünsche mir für ihn demnächst eine Aufgabe, die ihn außerhalb der Bundesliga ausfüllt und ihn nach seiner Fassung glücklich macht. Mir und sehr vielen anderen Menschen muss der Europapokalsieger von ’92 schon lange nichts mehr beweisen. Die Erfolge, die wir „zusammen“ mit unserem Verein erlebt haben, binden meine Gunst auf Ewigkeiten an diesen Mann. Ich bilde mir ein, ihn immer verstanden zu haben, seinen Humor eh und je richtig eingeordnet und diesen Kauz immer so genommen zu haben, wie er war.

Thomas Schaaf verschwindet nun erstmal erneut von der Bildfläche. Wer weiß, für wie lange. Zuzutrauen ist ihm generell mal alles – wäre mein Name Andre Breitenreiter und ich arbeitete auf Schalke, würde ich mich warm anziehen.

Bis bald, Schabba!

Burning Bush

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