Befreiung in Sicht?

Anstatt mich unter dem Eindruck dieses grandiosen Spiels gegen Bayer Leverkusen nun semi-virtuos ausschweifenden Lobeshymnen auf Claudio Pizarro hinzugeben, möchte ich mich deutlich darauf beschränken, Folgendes nicht nur erneut anzumerken, sondern mit Nachdruck zu untermauern:

Natürlich ändert der eine Sieg in Leverkusen rein gar nichts. Es muss etwas passieren, das Team muss sportlich mehr Rückgrat zeigen und insbesondere zu Hause wesentlich mehr Spiele gewinnen, klar. Auch der Trainer muss sich entwickeln und weiter lernen – ja genau, Viktor Skripnik ist kein erfahrener, „abgezockter Hund“, sondern ein Mensch, der nach ein paar Jahren im Amateurbereich ins Haifischbecken Bundesliga geschleudert wurde und dort seither weitgehend gegen einen der größten Abwärtstrends der Vereinsgeschichte kämpft. Seine Steherqualitäten finde ich, bei aller Impulsivität, beachtlich.

 

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Die ständige Bewertung des sportlich gezeigten von außen mag legitim sein, freie Meinungsäußerung ist eine ziemlich gute Sache. Aus meiner Sicht greift das alles aber nicht selten grundsätzlich zu kurz. Mental muss es mittlerweile eine absolute Bürde sein, für Werder Bremen aufzulaufen. Diese anhaltende negative Stimmung im Verein und um ihn herum erzeugt eine Atmosphäre, in der es nach Meiner Meinung nur sehr bedingt realistisch ist, das eigentlich mögliche abzurufen. Das größte Problem von Werder Bremen liegt aus meiner Sicht mitnichten in der qualitativen Dichte des Kaders oder bei einem Trainer, der in Sachen Taktik immer öfter Defizite aufzuweisen scheint.

Ich bin sicher, dass hier die ganz große Psychologie gefragt ist. Spieler und Trainer müssen sich befreien. Das können sie nur in einem ruhigen und kontinuierlichen Umfeld. Dieses wird in Bremen von Vereinsseite und durch einen großen Teil der Anhängerschaft weitgehend geschaffen. Das beweist vor allem der Aufsichtsrat um Marco Bode gerade in hohem Maße, indem er gegen alle Wirrungen an seinem Trainer festhält. Immerhin liegt die Vermutung nahe, dass in dieser Frage mit Teilen der Geschäftsführung keine grundsätzliche Einigkeit besteht. Man hält an Skripnik fest und macht damit den ersten Schritt zur Befreiung.

Mannschaft und Trainer haben gegen Leverkusen gerade den nächsten gemacht und mit Hannover 96 liegt nun eine der größten Chancen der jüngeren Geschichte vor uns. Ein gefühlt ewiger Knoten könnte endlich platzen. Es ist allerdings mit allem zu rechnen – vom jeweils letzten Spiel etwas ableiten zu wollen empfiehlt sich bei Werder bekanntermaßen nicht.

Eines bestreite ich nicht – diese Mannschaft und ihr Trainer versagen in kaum erklärbarer Weise in ihrer Konstanz. Aber ich bleibe dabei – nicht in ihren grundsätzlichen, charakterlichen und qualitativen Möglichkeiten. | Burning Bush

#werder2013

(Foto: Weser-Kurier)

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