Kalkulierter Aderlass

Die abgelaufene Wintertransferperiode brachte mir zwei maßgebliche Erkenntnisse:

1.) Wenn Thomas Eichin behauptet, er sei kein Freund von Wintertransfers, dann lügt er (Sambou Yatabaré, Papy Djilobodji, Milos Veljkovic, László Kleinheisler, Gerhard Tremmel, Assani Lukimya, Felix Kroos, Levent Aycicek).

2.) Die Chinesen sind jetzt dick im Business.

Nicht nur der Abgang von Assani Lukimya in die chinesische Super League, sondern vor allem das jüngste, sehr imposante Angebot (kolportierte 13-20 Mio.) für Anthony Ujah durch den chinesischen Meister Guangzhou Evergrande aus der vergangen Woche stimmen einen nachdenklich, was die zukünftige Verhandlungsposition Werder Bremens am Transfermmarkt angeht. Die Volksrepublik, die ihre Unternehmen aktuell auffordert, in Fußballklubs zu investieren, stellt z.Zt. nur das gefühlte i-Tüpfelchen in einer Situation dar, in der sich die Klubs der mit extraordinärem TV-Vertrag ausgestatteten Premier League sowieso gerade als zukünftige Transfer-Spielverderber positioniert hatten. Für Werder Bremen bedeutet das spätestens im Sommer: Abgänge. Sportlich natürlich eine Katastrophe, wird die aktuelle Radikalkonsolidierung davon enorm profitieren.

Der Applaus ob dieser Gesamtsituation hält sich seitens der grün-weißen Anhängerschaft selbstverständlich in Grenzen – viele zweifeln noch am bevorstehenden Szenario. Der Spieler müsse ja auch „in die entspr. Liga wechseln wollen“ lautet da zumeist die Argumentation. In Bezug auf China sind diese Einwände vermutlich berechtigt (wenngleich es auch noch Spieler geben mag, die derartige Herausforderungen für sich als persönlich wertvoll empfinden), von der Premier League in England sollte sich der eine oder andere Akteur, noch dazu unter Berücksichtigung eines fürstlichen Gehaltes, dann aber doch überzeugen lassen. In Puncto „Entscheidung“ wird den Beratern hier nach meiner Meinung auch mal wieder zu wenig Einfluss zugesprochen. Ich wage erneut leise zu bezweifeln, dass die finale Entscheidung – insbesondere bei einem vielleicht einmaligen Mammut-Angebot aus China – allein beim Spieler liegt. Da spielen nicht selten, von außen kaum wahrnehmbare, Vereinbarungen, Versprechungen oder Abhängigkeiten eine entscheidende Rolle.

Egal also, ob sie Zlatko Junuzovic, Jannik Vestergaard oder Anthony Ujah heißen, Werder Bremen wird im kommenden Sommer Leistungsträger abgeben. Diese Tatsache gilt da mindestens intern nicht einmal als großes Desaster, sondern vielmehr als Bestandteil einer erfolgreichen Saison. Diese definiert sich in Bremen schon länger nicht mehr primär durch sportliche Platzierungen, sondern in sehr hohem Maße durch das wirtschaftliche Ergebnis. Derartige Einschnitte gehören da jetzt und in naher Zukunft zum Programm. Personeller Aderlass einkalkuliert. | Burning Bush

#werder2013

Advertisements

Ein Kommentar zu „Kalkulierter Aderlass

  1. Wenn solche Angebote kommen, kann man nicht Nein sagen. Man hätte sicher auch Ujah abgegeben, wenn das Angebot frühzeitig gekommen wäre und man noch adäquaten Ersatz hätte holen können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s