Richtig oder falsch…

Richtig oder falsch – Kategorien, die sich aus meiner Perspektive in den letzten Wochen fast gänzlich aufgelöst haben. Im Gegensatz zu vielen, die mit primär vor dem Bildschirm erworbener Fachkenntnis und Kompetenz nun teils sehr aufgeladene Forderungen herausfeuern, fällt es mir eher schwer, vielversprechende Lösungen oder wenigstens Ansätze für den dringend notwendigen Erfolg zu formulieren. Richtig oder falsch – das klingt immer sehr viel simpler als es ist.
Kopf: Das da Samstag war eines der schwächsten Werder-Spiele der letzten Jahre. Spieler, derart verunsichert, dass einem die Vorstellung an konstruktiven Abstiegskampf nur noch unter Einnahme bewusstseinserweiternder Mittel möglich scheint und eine Trainerleistung, die man nach taktischen Meisterstücken wie gegen Leverkusen im Pokal erneut nicht einfach so verstehen geschweige denn verkraften hätte können. Alles in allem, gemessen an den Erwartungen und in Anbetracht der aktuellen Situation war das eine unfassbare Darbietung. Sportlich ein Desaster – da war eigentlich nicht einmal irgendwas sportlich.
Bauch: Nun natürlich allerorts (sowohl in der realen Welt, als auch im Netz) altbekannte Forderungen nach schnellerem Handeln der Verantwortlichen. „Der Trainer muss weg, sofort!“ – „Warum noch bis zum Darmstadt-Spiel warten?!“ – „Ich verstehe den Trainer nicht, wie sollten die Spieler das?“. Was ich mich frage: Wie kann man eigentlich nicht kapieren, dass da Menschen zusammenarbeiten, die sich teilweise sehr lange kennen, relativ nahestehen und zusammen Großes vorhatten? Die, egal ob Trainer, Geschäftsführer oder Mitglied des Aufsichtsrates, vom Potenzial der Lösung Skripnik nicht nur finanziell überzeugt waren. Wie kann man also nicht kapieren, dass diese handelnden Personen so lange wie möglich an ihrem Weg festhalten wollen, sich schwer damit tun, von diesem Weg, der mit jedem Sieg neu ins Glück zu führen scheint, abzukehren um sich einer neuen Marschroute zuzuwenden? Ich kann das nachvollziehen, ich unterstütze das und würde dieses Risiko ebenfalls eingehen.
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Sich in dieser Situation gedanklich den genannten Kategorien „richtig“ oder „falsch“ zu unterwerfen, erscheint mir absolut nicht angebracht. Simpel runtergebrochen betrachte ich es als ziemlich schlicht. Ich glaube, dass man als Verein gerade in diesen Momenten im Sinne des „großen Ganzen“ Werte zu verteidigen hat. Werte, an die man sich in guten Zeiten hält und zu denen man steht. Es ist riskant und man sollte dabei immer sichergehen, Prinzipien nicht über die inneren Überzeugungen zu stellen. Ist das aber gewährleistet, hat man sich aus meiner Sicht diesbzgl. kaum noch etwas vorwerfen. Zusammenstehen, auch dann wenn es richtig wehtut – klingt romantisch. Ist es auch.
Werder Bremen spielt am Samstag gegen Darmstadt 98, als gnadenlos heimschwacher, von völliger Unsicherheit gezeichneter Haufen, gegen die selbstbewusste, drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga. Auf der Bank werden sitzen: Florian Kohfeldt, Torsten Frings und Viktor Skripnik. Drei Typen, die in einer bedenklichen Situation „Ja“ gesagt haben. Zu einem extremen Job auf einem sinkenden Schiff Werder Bremen. Wird das Spiel bei guter Leistung nicht verloren, geht es weiter – mit ihnen. Neue Hoffnung wird aufkeimen und der Gedanke einer erfolgreichen Zukunft weitergetragen. Erleben wir eine erneut schlechte Leistung und verliert Werder Bremen das Spiel, endet das Kapitel Skripnik (und damit auch das der anderen beiden). Es wird – gerade sehr ans Ende der Ära Dutt erinnernd – eine schnelle Trainerlösung gefunden (Luhukay, just sayin‘) und man setzt auf den Trainereffekt. Dieser beschert uns unter Umständen dann 3 Siege und man rettet sich einmal mehr als Bundesligist in die Sommerpause. So, wie sie es sich in Hannover eigentlich gedacht hatten, quasi.
Über „richtig“ oder „falsch“ kann ich im Kontext mit Werder Bremen kaum etwas sagen, außer: Es ist richtig, mit Viktor Skripnik in das Spiel gegen Darmstadt 98 zu gehen. Dieses zu verlieren, wäre falsch. | Burning Bush
#werder2013
(Foto: Bild.de)