Ratlosigkeit als Konsens

Das rettende Ufer ist fast erreicht. Das rettende Ufer ist eher temporärer Natur und heißt „Winterpause“. Zwei Ligaspiele noch, 6 Punkte und obendrauf Pokal. Saugt man die aktuelle Stimmung in der Fanszene und im engeren Umfeld des Vereins auf, muss man den Eindruck gewinnen, dass von den noch zu vergebenden Punkten in zwei Wochen kaum einer den Weg auf unser Konto gefunden haben kann.

Die Frustration weicht einer Art trügerischer, von vergiftetem Fatalismus gezeichneter Resignation. Dass das alles irgendwie Spaß macht, wäre dieser Tage schlicht gelogen. „Die geilste Nebensache der Welt“ – am Arsch!

Drahtzieher dieser Endzeitatmosphäre ist der Konsens, auf den sich die meisten einigen können: Ratlosigkeit. Seit Wochen zeigt eine Mannschaft Leistungen, die sie niemandem vermitteln kann. Darbietungen mit sehr überschaubarer Körperspannung, teilweise an der Scheingrenze zur Lustlosigkeit, sogar Derbys gegen einen mäßig auftretenden Rivalen aus Hamburg werden verschenkt wie Eljero Elia.

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Das alles ist für mich kaum noch nachvollziehbar. Ich sehe kein ausgemachtes Trainerproblem. Viktor Skripnik performt in der Abteilung Außendarstellung zwar teilweise ähnlich desolat, wie Thomas Schaaf es einst unnachahmlich vorlebte, aber ich glaube trotzdem an seine Fähigkeiten und vor allem an seinen Charakter, der aus meiner Sicht optimal zu meinem Lieblingsverein passt. Auch er macht aktuell Fehler, geschenkt. In Phasen wie dieser versagt das Kollektiv, nicht Einzelne. Genauso, wie ich beim Coach nicht die Primärproblematik ausmachen kann, bestreite ich ebenfalls, dass dieser Kader nicht das Zeug zu mehr hat. Ich wiederhole mich: Das Risiko, das Werder in Zeiten wie diesen vor jeder Saison eingeht, besteht darin, dass Leistungsträger in Form sein und Nachwuchsspieler einschlagen müssen. Nur wenn das passt, wird etwas Positives bei all dem herausspringen.

Nun besteht in den kommenden Tagen leider die Chance auf einen weiteren Stimmungsdowner. Worst Case bestraft uns der 1. FC Köln für das Ausscheiden in der zweiten Pokalrunde und die Gladbacher für das Erreichen des Achtelfinales. Prost! Ich bin allerdings nach wie vor auch noch von der Wundertütenmentalität des SV Werder Bremen überzeugt – auf dieser Ebene liegen mittlerweile die Hoffnungen, bitter.

Es wird Zeit, die Winterpause muss her. Ich habe große Hoffnung, dass Trainer und Mannschaft etwas Ruhe, alsbald wieder zusammen und unsere „Patienten“ zu alter Form zurück finden. Neuverpflichtungen sind natürlich nicht ausgeschlossen (unabhängig davon, was aktuell kommuniziert wird), aber kein Bestandteil meiner Hoffnungsstrategie. Ich möchte, dass dieser Kader es reißt. Die aktuelle Mannschaft weiß selbst um die Verantwortung und die „Bringschuld“ (Dieser Begriff sollte auch mal eliminiert werden). Keinem ist damit gedient, dass ich als genauer Beobachter oder Fan nun weitere, für mich durch meine Treue zum Verein legitimierte, Forderungen an das Team formuliere. Ich habe genug damit zu tun, bei mir selbst um Geduld zu werben – das ist hartes Brot.

Es gibt übrigens auch gute Nachrichten: Das rettende Ufer ist fast erreicht, ich kann es schon sehen. | Burning Bush

(Foto: n24.de)

 

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