Wer nicht will…

WB2013

Der Wechsel Franco Di Santos zum FC Schalke 04 zieht eine Welle hinter sich her. Eine Welle der Entrüstung, geprägt von Enttäuschung und Unverständnis. Blogger schimpfen, Zeitungen fragen sich, wer wann was wusste und erfolgreiche Musiker twittern sich fast um Kopf und Kragen. Di Santo hat im Grunde nichts getan, das man 2015 im Profifußball nicht tun dürfte – er hat sich lediglich so verhalten, wie sich heute 95% aller Fußballer und eine überwältigende Mehrheit aller Menschen in ähnlicher Situation verhalten würden. Franco hat das aus seiner Perspektive für ihn beste Angebot angenommen. Diese Tatsache rechtfertigt aus meiner Sicht per se nicht den kleinsten Vorwurf. Man glaubt es kaum, aber auch an der Weser kicken einige Typen, die einst wegen des besseren Angebotes kamen.

Dass ein 26-Jähriger, den man als zum Premier League-untauglich gestempelten Spieler von Wigan Athletic in die Bundesliga „gerettet“ und nach anfänglichen Ladehemmungen im Laufe seiner 2. Saison zum gefragten Stürmer entwickelt hatte, sich gegenüber eben dieses Vereins nun in der gezeigten Weise geriert, wirkt nicht nur unglücklich sondern schlicht desolat.

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Man kann die Hintergründe für das „Geeier“ der letzten Wochen nur erahnen. Wer im Entscheidungsprozess neben den ureigenen Wünschen des Spielers einen Interessen-Mix aus Meinungen von Beratern und Familie vermutet, bewegt sich gedanklich sicher nicht weit jenseits der Realität. Die eigene Entscheidungsgewalt junger Fußballprofis wird aus meiner Sicht generell zu hoch eingeschätzt. Aber: Wir haben es hier auch mit einem erwachsenen Menschen zu tun, der stets mit seiner Beliebtheit in Bremen kokettiert hat – dieser Tatsache muss man Rechnung tragen, wenn man die Art und Weise dieses Transfers samt Verkündung abschließend bewertet. Ich bin da nicht besonders romantisch – ich halte keinem Spieler eine vermeintliche „Einzigartigkeit der Werderfans“ vor. Blau ist wie grün, nur anders. Von einem Spieler, der aber wochenlang betont, Werder habe im Herzen Priorität, man sei nicht „weit voneinander entfernt“ und „sehr dankbar für die Chance, die der Verein einem gegeben habe“, sollte man erwarten können, sich gerade zu machen und wenigstens einige dieser Gedanken in seiner Haltung wiederzuspiegeln.

Franco Di Santo darf wechseln – wohin auch immer, Schalke ist da nicht das Problem. Auch Reaktionen auf kurzfristige Änderungen der Situation (nach Bestätigung des Farfan-Wechsels nahm das Thema nochmals Fahrt auf) müssen drin sein. Im Großen und Ganzen muss man aber attestieren, dass Werder Bremen vermutlich zu keiner Sekunde der grundsätzliche Plan A war. Dies zu behaupten, war Franco Di Santos großer Fehler und ist ihm mit vollem Recht vorzuwerfen. In meiner Realität würde er, hätte vorher einer dieser Deals geklappt, bereits seit Wochen das Gladbach- oder gar Wolfsburg-Trikot tragen. Auch Schalke hatte schon die Fühler ausgestreckt. Zwischenzeitlich konnte man sich dann aus Mangel an adäquaten Alternativen wohl tatsächlich gedanklich auf einen neuen Vertrag (mit imposanter Ausstiegsklausel) einlassen, bevor Schalke dann kurzfristig nochmal aufs Gaspedal trat und den Argentinier mit dem finalen Aufguss von einem Wechsel überzeugte.

Franco spielt nun für die Königsblauen, so ist Fußball. Die Fans auf Schalke werden für ihn schon bald „die besten der Welt“ sein und das blaue Trikot wird sich beim Küssen des Wappens geschmacklich nicht sonderlich vom grünen unterscheiden – man kann für ihn nur hoffen, dass es recht regelmäßig ein durchgeschwitztes sein wird. Sportlich ist das Ergebnis seines Theaters der letzten Wochen eine Katastrophe. Ich weine Franco Di Santo aber keine Träne nach. Er ist ein netter Typ, aber wer keinen Bock auf Werder hat, ist bei uns natürlich auch nicht wirklich zu gebrauchen. | Burning Bush

(Foto: worum.org)