nicht unpolitisch. again!

In der Diskussion um die mehr oder weniger schleichende Renaissance Bremer Nazi-Hooligans im Umfeld des SV Werder Bremen bricht in den Kommentarspalten der Foren und Zeitungsartikel seit Tagen erneut die völlige geistige Armut aus. Dass wir uns 2015 nach wie vor mit der weit verbreiteten Haltung „Politik raus aus den Stadien“ auseinandersetzen müssen, ist frustrierend, wie kalkulierbar. Letztlich ist dieser Kanon leider nur ein Abbild der Bremer Kurve, in der wir neben vielen guten, kreativen und klardenkenden Menschen halt auch unzählige Blassbirnen beherbergen, deren Kleingeistigkeit die meisten Fußballstadien dieser Welt seit Jahrzehnten zu grenzwertigem Terrain machen – und immer machen werden. Für die „Ich sauf mit jedem“-Fraktion nochmal zum Mitschreiben: Heute ist Fußball ein Stück Gesellschaft und Gesellschaft ist immer auch Politik. Im dem Kontext erstaunt es mich in Regelmäßigkeit, dass Menschen Dinge wie beispielsweise Werbung a la couleur im Stadion anstandslos tolerieren, bei Politik aber direkt Atemnot und hässlichen Ausschlag bekommen. Setzt Euch mit Eurem Umfeld auseinander – anders wird es langfristig nicht funktionieren. |BB

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Wirklich bitter, dass man anno 2015 noch über solch (vermeintliche) Selbstverständlichkeiten sprechen muss. Gerade bei den jüngsten Kommentaren (etwa zum Retweet des Worums) fehlt einem als fassungslosem Leser zwischendurch ja tatsächlich Mobiliar – so häufig möchte man seinen Kopf auf Tischplatten schlagen. Auf der anderen Seite sind diese nervenzehrenden »Diskussionen« aber auch wertvolle Empirie: Denn sie belegen nachdrücklich, was da (immer noch) latent in der Kurve schlummert. Und sie unterstreichen auf traurige Art und Weise, dass die Mahner_innen aus der aktiven Fanszene in den letzten Jahren keinesfalls paranoid waren oder sind. Dass die Ostkurve während der vergangenen Spielzeiten ein vergleichsweise erträglicher Ort in Fußballdeutschland gewesen ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Eine wachsame, aufmerksame Kurve ist das Ergebnis nachhaltigem Engagements (antifaschistisches, antisexistisches etc. pp.). Dafür ist allen Beteiligten zu danken. Und die vielleicht wichtigste Einsicht: Das gilt auch für die Zukunft – wir alle sind für unsere Kurve verantwortlich. Zurücklehnen ist nicht drin. | SPE

Deine Kurve ist nicht unpolitisch! Nicht in Bremen, nicht anderswo.

 

#werder2013 und vert et blanc hambourg im Frühjahr 2015