Fight For Your Right To Bundesliga

Es geht wieder los … und alle so yeah! Sonntag startet Werder Bremen in die Rückrunde und kaum einer weiß, was er erwarten soll. Die Situation gibt wenig Anlass zur Hoffnung. Eine Hinrunde zum Abgewöhnen, nach wie vor kein Geld, Transferfrust, Torwartchaos, alles irgendwie sehr bemüht aber wenig erfolgreich. Macht einem alles kaum Mut. Was ist mit der vielversprechenden Juve-Kooperation und wo sind überhaupt die Geschwader von Kaufleuten, die für den Fall von Lemkes Rückzug für finanziellen Support bereit standen? Kurz: Alles nicht der Burner. Trotzdem, Sonntag startet die Rückrunde und es wird für den SVW wohl eine der wichtigsten aller Zeiten.

Viktor Skripnik  wurde über Nacht Cheftrainer und binnen Tagen der Liebling, der grün-weißen Massen. Die Gründe dafür sind allesamt mehr als Simpel. Der Mann ist Werderaner und Double-Held von 2004, er steht tierisch auf die Arbeit mit jungen Spielern und er sagt Dinge. „Dinge“ sagte Thomas Schaaf auch oft, aber Skripnik sagt viel öfter etwas – und es trifft zumeist den Nerv der gebeutelten Bremer Anhängerschaft. Keine Aussagen, die einstudiert oder erlernt wirken, wie man es einem Robin Dutt teilweise nachsagte, nein – der Typ ist echt und was für’s Herz.

Viktor Skripnik ist in der Außenwahrnehmung des Vereins Werders einzig verbliebenes Pfund. Die Spieler folgen ihm, akzeptieren Radikal-Rotationen und setzen seine Vorgaben größtenteils um (mit einem Punkteschnitt wie zuletzt unter „Skrippo“ hält man die Liga). In Zeiten ohne finanziellen Spielraum oder positiver sportlicher Perspektive kannst Du als Verein in der Öffentlichkeit nur noch mit dem Mann punkten, der den „Kinderriegel“ ins Bremer Spiel gebracht hat und Jugendarbeit überzeugend lebt. Es wurde bereits viel darüber gesagt, aber Viktor Skripnik ist der richtige Trainer zur richtigen Zeit und ich bin mir sehr sicher, dass er in Bremen aktuell den sichersten aller Arbeitsplätze hat. Geht man in die zweite Liga, dann geht man mit Viktor Skripnik.

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Werders Neuzeit-Manager Thomas Eichin hat sicher einen der kompliziertesten aller Jobs an der Weser zu bewältigen. Kein Geld, aber davon viel und höchsten Druck, eine Mannschaft zu zimmern, die um jeden Preis irgendwie die Klasse zu halten hat. Zusammen mit Rouven Schröder sondiert er seit Beginn der Transferphase an 17-Stunden-Tagen den Markt, immer in der Hoffnung, es fällt etwas passendes, brauchbares und in letzter Konsequenz finanzierbares vom großen Transfer-LKW. Immer 50-60 Spieler gleichzeitig auf dem Plan, andauernd neue Situationen und Tatsachen – das will keiner machen, ich wenigstens nicht. Doch Thomas Eichin hat sich und Werder in dieser Winterpause auch schon den einen oder anderen Bärendienst erwiesen. Hier sei vor allem der „Torwart-Zirkus“ der letzten Wochen zu nennen. Ein Chaos, dass Eichin sich mit ein paar Antworten auf ihn scheinbar unvorbereitet treffende Fragen beim Abflug ins Trainingslager am Bremer Flughafen ganz allein eingebrockt hat. Dort innerhalb nur weniger Minuten die gesamte Torwartriege unseres Vereins anzuzählen (Fast im Kühne-Style!), war völlig unnötig und brachte viel Unruhe in den Verein und ins Umfeld. Davon schien keiner begeistert – auch nicht der Trainer, der Eichin-Aussagen von nun an in schöner Regelmäßigkeit widersprach – öffentlich. Ich bin für ein offenes Wort und ich habe auch kein Problem damit, dass sich die Verantwortlichen bei solchen Dingen mal widersprechen, aber in Zeiten, in denen hier und da bereits von „nicht dem besten Verhältnis“ zwischen Eichin und Skripnik gesprochen wird, sorgen offene Uneinigkeiten nicht gerade für Ruhe – klar.

Was die Person Thomas Eichin angeht, so nimmt man den an ihm nagenden Stress durchaus wahr. Dann und wann eine Spur zu schnippisch und im Allgemeinen den Verbalfinger zu schnell am Abzug – völlig klar. Ich sehe allerdings auch die Drucksituation insgesamt. Wer die Aufgabenstellung „Klasse halten und somit erstmal Mannschaft und Mitarbeiter retten“ bewältigen soll, dafür aber eigentlich kaum das richtige „Werkzeug“ zur Verfügung hat, dem sehe ich den einen oder anderen Fehltritt durchaus nach. Finde im Rahmen der Möglichkeiten auch die Winter-Transferaktivitäten sehr akzeptabel. Bin sehr gespannt, wie es sich entwickelt … nicht selten hört man in letzter Zeit „Der Schröder ist der der sportliche Kopf, brauchen wir Eichin überhaupt?“ Ich stehe weiter hinter seiner Arbeit, bin aber nicht naiv und habe für den Fall des Falles bereits einen Nachfolger im Auge:

Zlatko Junuzovic wird wechseln, da bin ich sicher. Nicht jetzt – man hat es ihm verboten. Aber im Sommer wird der Österreicher für das doppelte Gehalt irgendwo anders kicken, das soll so sein. Ich verüble das keinem Spieler. „Zladdi“, der in jüngster Zeit und gerade seit der Verletzung Di Santos zum absoluten Führungsspieler wurde, ist gerade wohl nicht zu ersetzen, auch wenn man den Spieler Junuzovic hier trotz feiner Technik und Weltklasse-Freistößen nicht überhöhen sollte. Im Grunde heißt „nicht zu ersetzen“ nichts anderes, als dass Werder Bremen wieder mal keine Möglichkeit hat, gerade einen Spieler zu adäquatem Preis zu verpflichten, der Erfolg verspricht und nach Bremen kommen würde.

Junuzovic bleibt also Bremer und wird alles geben – bis zuletzt. Er wird sich in den Dienst der Mannschaft stellen und seinen Mund aufmachen, wenn es nötig ist – vielerorts ist sowas ein Problem, in schwierigen Situationen wie unserer wird sowas im Verein auch nicht immer gefeiert (Wie bei seiner Brandrede anlässlich der 1:4-Niederlage in Gladbach), aber ich persönlich befürworte Meinung als solche erst einmal ganz klar. Von Profifußballern im Besonderen – kommt ja selten genug vor.

Anyway … Fakt ist: Wir müssen drin bleiben. Einen Abstieg könnten wir finanziell kaum verkraften und an etwaige Entlassungen im Verein mag erst recht keiner denken. Was mich fast schon ein wenig irritiert ist die Tatsache, dass man das Maß der Gefahr aktuell im Grunde kaum greifen kann. Man hat eine miese Vorrunde gespielt, die Hoffnungen in einen einigermaßen ordentlichen Saisonverlauf radikal erstickt und ist zu Beginn der Rückrunde 2014/2015 völlig zurecht 16. der Tabelle. Die Vorbereitung verlief so lala und am Transfermarkt ging wieder mal nichts Großartiges. Es droht die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte inkl. Abstieg und Scheitern des Gesamtprojekts „Umbruch“. Und? Ist das in der Fanszene oder dem Umfeld irgendwie groß zu spüren? NEIN. Wenigstens nicht in dem angemessenen Rahmen, den die Gefahrenlage durchaus verdient hätte.

Bleibt nun abzuwarten, ob das die pure vorzeitige Resignation oder doch der ungebrochene Glaube in unseren Verein ist … meine Zuversicht hat in den letzten Monaten erheblich gelitten, wenngleich ich mich nicht geschlagen gebe, solange der Onkel von Sport1 nicht mit dem Montags-Spielplan auf der Matte steht. Werder wird das alles in der nötigen Intensität angehen und ich habe genug Vertrauen in den Trainer und seine Mannschaft, um mir einen positiven Ausgang für uns alle vorstellen zu können. Weiterhin Konzentration, aber auch Geduld. Skripnik und die Jungs werden das wuppen. Trainer und Kinderriegel deuten eine mögliche Zukunft an – diese beginnt aber erst im Sommer. Erstmal müssen wir der fußballerischen Gegenwart in den Arsch treten – Fight For Your Right To Bundesliga!

Burning Bush

(Foto: arcor.de)

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