Die Schönheit der Chance

Skrippo, Skrippa, Viktory Skripnik. Wie man es dreht und wendet – der aktuelle Star der internationalen Trainerszene heißt Viktor Skripnik und trainiert einen Abstiegskandidaten in der Bundesliga. Keine Wahl zum „Trainer des Spieltags“ die gerade nicht über ihn gehen würde, kein Interview und kein Artikel ohne ihn.

Der SVW hat in seiner Not offensichtlich das vielzitierte As aus dem Ärmel gezogen. Hat er doch, oder? Eins steht fest: Wenn diese Nummer gut geht, dann hat WERDER erneut eine Wohlfühlwolke der Glückseligkeit geschaffen, für die man es an vielen anderen Fußballorten dieses Landes wieder mal beneiden wird. Ein weiteres Kapitel Werder-Familie im Zeichen von ordentlich dick „Werder-Genetik“. Selbst die größten Optimisten unter den Nostalgikern hatten solche Begriffe mittlerweile für sich aus dem Wortschatz gestrichen.

Skripnik macht dabei tatsächlich viel richtig. Er hat das nötige Understatement und eine seltene Art von passiv-dezenter Lässigkeit, die gewöhnliche Aussagen, wie die Statements eines Superhelden wirken lässt. Und dieser steht über den grün-weißen Dingen. Er zeigt Ambition und Motivation, signalisiert dabei Dankbarkeit und verdeutlicht die Kompetenz, im Fall des Falles Härte zeigen zu können. Mit dieser Mischung packt er gerade ganz Bremen in Watte.

Skrippa

Dass er nebenbei noch etwas von Fußball versteht, trifft sich gut. Er gewinnt Spiele – was nicht ausschließlich der besagten Kompetenz, sondern auch den nötigen Portionen an Glück und Aufbruchsstimmung zuzuschreiben ist – und das in Serie. Durch die Maßnahme einer Radikal-Rotation, die vor fast niemandem Halt macht, holt er alle ins Spieler ins Boot. Das ist nicht immer schön für jeden, aber erfolgreich – und nur darauf kommt es aktuell an. Alle für einen.

An seiner Seite sitzt ein 78facher Nationalspieler, langjähriger WERDERaner und wenn man so will, die letzte wirkliche Lichtgestalt vergangener, erfolgreicher Zeiten unseres Vereins. Er kann gut mit Skripnik und er hat richtig Bock. Dass er, mit dem Deutschland nicht nur meiner Meinung nach 2006  Weltmeister geworden wäre, diesen Job nun macht, ist nicht selbstverständlich. Man stelle sich kurz mal einen Ballack, Lehmann oder Metzelder als Co-Trainer vor. Torsten Frings geht seinen persönlichen Werder-Weg beeindruckend und konsequent weiter. Der „Lutscher“ möchte etwas zurückgeben und das merkt man.

In der Entscheidung für diese beiden absolut unzweifelhaften WERDERaner sowie der damit einhergehenden Euphorie inklusive der sich daraus speisenden Stimmung des Aufbruchs, besteht aus meiner Sicht lediglich eine Gefahr: Sollte dieses „Projekt“ scheitern, weil der Wechsel-Effekt nach wenigen Spielen verpufft, … … wir hätten den allerletzten Trumpf bereits ausgespielt. An dem Punkt bliebe uns nur noch der Weg einer wahrscheinlich namenlosen, externen Lösung – ohne finanzielle Mittel, mit sehr viel Frust im Rücken. Für mich ein Horrorszenario. Diesen Teufel werde aber nicht einmal ich (ganz entgegen meines Naturells) jetzt an die Wand malen. Denn ich empfinde die „Skripnik Episode“ als genau die glückliche Fügung, die uns im Endeffekt in bessere Fahrwasser führen könnte. Die Schönheit dieser Chance ist greifbar.

Skripnik, Frings, Eichin, Schröder, Bode … was soll ich sagen. Es tut sich etwas am Osterdeich und ich habe großes Vertrauen in die neuesten Entwicklungen.

#BurningBush

(Foto: Arnd Zeigler)

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2 Kommentare zu „Die Schönheit der Chance

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