Der 18. Platz – fieses Gift

Grundsätzlich ist es eine schöne Sache, wenn sich die latente Relevanz Deines Blogs in regelmäßigen Nachfragen zu neuen Beiträgen widerspiegelt. Das ist in den letzten Tagen in besonderem Maße der Fall. Danke dafür! Für mich gibt es eigentlich nichts zu sagen – außer vielleicht das:

„Das ist die schlimmste Meldung, die ich seit langem gelesen habe.“

Mit diesem Zitat eines befreundeten Kollegen (sachlicher, ausgewiesener Fußballfachmann, der für eine große Zeitung schreibt) über den gerade verkündeten Deal des SV Werder Bremen mit dem Vermarkter „Infront“, endet die für mich frustrierendste Woche, seit ich WERDER denken kann. Es bildet den Schlussakkord der Bremer Festspielwochen für Illoyalität, Peinlichkeit & Verschwörung. In der Intensität noch nie erlebt.

Was bei WERDER und im Umfeld gerade läuft, hat mit meinem Bild von diesem Verein rein gar nichts mehr zu tun. Ich bin in keiner Weise willens oder bereit, jeden Akt des in den vergangenen Tagen Dargebotenen neu aufzubereiten – es gibt neben den Beiträgen der betreffenden Medien sehr viel guten Lesestoff zur Sache in der Leseliste auf www.hashtagmafia.de.

Hier nur mal summa summarum die Peaks des Wahnsinns der vergangenen Woche:

  • Trainer wird von Teilen der Medien als „untragbar“ angezählt – ob man ihn nach einer Niederlage gegen Köln halten wird, scheint mehr als fraglich.
  • Geschäftsführer fordert Aufsichtsrat öffentlich zum Handeln auf. Man müsse „überschaubare Verschuldung“ in Kauf nehmen.
  • Aufsichtsrat zeigt sich völlig überrascht von genanntem Vorstoß – ist zu weiteren Auskünften nicht bereit.
  • Ex-Funktionär bietet seine Hilfe an und lässt für einen Fall des Zustandekommens finanzielle Unterstützung durchblicken.
  • Gerüchte, es stünden Investoren für den Fall des Ausscheidens eines bestimmten Aufsichtsrates bereit, werden von Offiziellen und Medien lanciert.
  • Geschäftsführer dementiert diese und wird durch tendenzielle Nachrichtenlage zur Auskunft bzgl. seiner eigenen Sponsorenaquise genötigt.
  • Verein verkauft Rechte von 2019 bis 2029 an Vermarkter und erhält u.a. einmalige Zahlung eines hohen einstelligen Millionen-Betrages.

Was der 18. Platz der Bundesligatabelle mit Offiziellen, Fans und Medienvertretern macht, hätte ich so nicht für möglich gehalten – fieses Gift. Darüber ließe sich irgendwann sicher ein eigenes Buch schreiben (Behalte ich mir vor. Brauche noch einen entsprechenden Psychologen als Co.). Das Bild, das unser Verein gerade abgibt ist mir zuwider und unterscheidet sich aus meiner Perspektive auch nicht mehr groß von den Chaos-Kapriolen anderer uns bekannter Clubs. Ich hoffe, dass alle schnell auf den Boden der Tatsachen zurück kommen und den SVW wieder in den Mittelpunkt stellen. Ansonsten wird das alles sicher nicht gut ausgehen.

Ich weiß, dass bei Umwälzungen der Bauart wie sie gerade bei WERDER stattfinden immer auch Grabenkämpfe dazu gehören. Ich habe ebenfalls nichts gegen Diskussionen, Konflikte und Streit – immerhin handelt es sich bei genauer Betrachtung hier ja schon um einen grün-weißen Kulturkampf. Es muss knallen und es muss Veränderungen samt Gewinner und Verlierer geben. Alles geschenkt! Aber wenn wir jetzt schon jegliche Form von Stil aufgeben und ohne Rücksicht auf’s Ganze perfideste Politik betrieben,  dann ist der SVW mich persönlich schneller los, als ich es je für möglich gehalten hätte. Kann er dann sicher gut mit leben – ich auch.

Am nächsten Wochenende wird Fußball gespielt … falls es jemanden interessiert. Und sollten wir in München 10 Stück bekommen, dann gefällt mir das bei weitem besser, als die letzten 6 Tage.

Burning Bush

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2 Kommentare zu „Der 18. Platz – fieses Gift

  1. Das tieferliegende Problem scheint mir die seit gut 10 Jahren voranschreitende Entwicklung zum Plastik-Verein (zunächst „nur“ im Marketing). Vorangetrieben von Werder-Mitarbeitern, die Bremens (ja, diese ganz besondere freie und Hansestadt) echtes Potential nie genutzt geschweige denn verstanden haben, und mit Delmenhorster Borniertheit lieber Schalke, Dortmund und anderen Clubs eifersüchtig hinterherblickte. Statt den Unterschied zu betonen und ein Konzept zu fördern, dass auch mageren Jahren standhält, wurden Kreißsäle mit Werderlogos zugeklebt um Neugeborene zu zwingen als erstes in Werderlogos zu blinzeln. Nur ein Beispiel in Werders unsäglichen selbstgewählter Aussendarstellung, ich bin nicht sicher ob hier Arroganz, Nötigung und Beliebigkeit dominieren.

    Statt selbstbewusst und lässig die hochverdiente und allerseits respektierte Eigenständigkeit zu betonen wurde immer gejammert, dass man ja keinen Sponsor für den Stadionnamen findet, und man (Zitat KDF) „mit dem Klammerbeutel gepudert wäre“, wenn man ein Gazprom-ähnliches Angebot nicht annehmen würde, und sich letztlich auf einer Mischung aus Nostalgie und Trotz (erst Allofs, dann Schaaf) ausruhte. Bei gleichzeitig einsetzender Talfahrt, und selbst als man schon zweimal auf dem Boden aufgeschlagen ist.

    Nebenbei wurde für Bremer Verhältnisse auch noch unglaublich viel Geld verzockt – ohne je auch nur ansatzweise ehrlich analysiert zu haben was hier vielleicht grundfalsch läuft. Es wurde solange auf „jetzt muss es aber mal wieder klappen, menno!“ gesetzt, bis Allofs vor sich selber geflohen ist. Die Jahrzehntelang gut bis prall gefüllte Kasse war nun leer (ein Wahnsinn!) und die folgende relativ logische „Schuldenbremse“ stellt in Bremen dasselbe wie in Europa an: Eine Abwärtsspirale mit Ansage.

    Und was machen die Flitzpiepen nun? Sie jammern, dass man keinen Sponsor hat und überhaupt alles ungerecht ist. Schwaches Einzugsgebiet und doofe Schiris und überhaupt.

    Konsequenterweise wird -nachdem man sich ohne Not von Infront zum Kotzlappenträger von wirklich antisozialen Unternehmen gemacht hat- auch das Engagement verlängert. Für den Gegenwert von immerhin einem weiteren (potentiell aussichtsreichen) Fehleinkauf.
    Also: Bis 2029 weiter Werbung für Anti-Mensch-Unternehmen (ich bin gespannt was noch kommt), aber von Oktober 2014 bis März 2015 ist ein bisschen Geld da. Super Strategie!

    Sollte Werder absteigen wäre das traurig. Aber noch viel schlimmer wäre, wenn diese Plastik-Ideologie in Verkennung dessen, wofür Vereins und Stadt stehen, weitergeführt wird.

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