Testosteron – die Skripnik Episode

„Wir sind Männer. Wir haben Testosteron. Wir wollen immer was anderes. Besser, schneller, weiter. Genauso bin ich. Und meine Frau ist das Gegenteil“

… Viktor Skripnik fand im Laufe seiner ersten PK als Cheftrainer des SV Werder Bremen viele gute Worte. Teils unerwartet offen (Hitsingle bei Amtsübernahme „Darüber muss ich mit dem Spieler erstmal persönlich reden“ entfiel komplett), teils sehr vorbereitet auf alles. Vor dieser PK hatte ich erhebliche Zweifel an dem, was er vermeintlich verbal anzubieten hätte. Rückwirkend muss ich sagen, dass sein Gespür für das, wonach man in Bremen lechzt, enorm zu sein scheint. Identifikation und Herzblut bei gleichzeitiger sachlicher Zurückhaltung. „Skrippo“ geht gut ran.

Die Ära Dutt ist Geschichte – ich sehe mich da durchaus mitschuldig. Die Zusammenhänge sind mir noch nicht ganz klar, aber seit meinem Beitrag Der „Duttore“ – Es muss nicht immer Liebe sein war der freie Fall des Robin Dutt scheinbar nicht mehr aufzuhalten. Ich muss damit jetzt klarkommen – die Wucht meines Einflusses zu kontrollieren, wird eine der größten Aufgaben meines weiteren Lebens werden. Ein Trainerwechsel war nach dem enttäuschenden Köln-Spiel nicht mehr zu verhindern und aus meiner Sicht zu genanntem Zeitpunkt auch die richtige Entscheidung. Ich persönlich bedaure die Entwicklungen der letzte Monate. Ich sah wirklich gute Ansätze und mir gefiel der ein oder andere Wesenszug des Herrn Dutt doch ganz gut. Schlussendlich muss er sich aber auch Dinge vorwerfen lassen – vor allem wenn es um die Frage geht, warum man nicht alle zur Verfügung stehenden personellen Mittel genutzt hat, um sich aus der prekären Situation zu befreien.

Neues Kapitel. Die Skripnik-Episode wird in ihren ersten Tagen, vor allem beim netzaffinen Teil der Anhängerschaft sowie der aktiven Bremer Fanszene, von einer grenzenlosen Euphorie getragen. Was da gerade an Erwartungen an einen verdienten WERDERaner generiert wird, ist in meinen Augen schon wieder weit im halbroten Bereich. Andererseits muss auch ich klar sagen, dass ich mich diesem „heimeligen“ Gefühl gerade nicht entziehen kann, das einen Fischkopp immer dann überkommt, wenn das Business einen werderfamiliären Touch bekommt. Gerade noch im Interview mit miasanrot.de vor dem München-Spiel von der „Beerdigung“ der sogenannten Werder-Familie gesprochen, ist ihre Wiederauferstehung gefühlsmäßig gerade allgegenwärtig.

Nachdem sich nun offensichtlich viele vom Spiel in Chemnitz versprachen, dass man den Drittligisten ohne Gnade mit einem 8:0 geradezu „wegrautet“, tat’s für die allgemeine Zufriedenheit dann auch ein 2:0 mit ordentlicher Leistung und 2 fein herausgespielten Toren. Der Trainer scheint wie ich auf Mittelfeld zu stehen und Levent Aycicek soll wohl jetzt auch mitspielen dürfen. Gute Ansätze und wirklich eine solide Leistung nach gerade 2 Tagen seit der Amtsübernahme. Achso, Obraniak spielte ebenfalls und steuerte seinen Teil zum Sieg bei – schicker Dutt übrigens.

Nun geht’s nach Mainz. Andere Kategorie als das gestern. Vielleicht baut man wieder etwas um, vielleicht nicht. Alles egal – alle müssen ran und jeder wird gebraucht. Vermutlich sogar die Kollegen Elia und Makiadi – vom „Beckham der Ukraine“ vor dem Pokalspiel aussortiert. Man wird die Sache angehen und alles vermittelt einem gerade den Eindruck, es könnte klappen. In ein paar Wochen wissen wir mehr … z.B. auch wie Thomas Eichin die ganze Sache überstanden hat. Seine Situation nach dem Trainerwechsel ist nicht ohne. Ich persönlich stehe voll und ganz hinter diesem Mann – keine Diskussion für mich. Sollten Skripnik und Frings aber grandios scheitern, wird man dem Kader schnell und einigermaßen übereinstimmend endgültig die nötige Qualität absprechen. Was das unter Umständen für  unseren Geschäftsführer Sport bedeuten würde, lässt sich simpel erahnen. Warten wir es ab.

Ich drücke „Skrippo“ und dem „Lutscher“ die Daumen für den Klassenerhalt. Mein Verein ist ohne Kompromisse aktuell eines der 5 schwächsten Teams dieser Liga – ich traue unseren neuen Trainern aber durchaus zu, die Dinge zu entwickeln und neue Tatsachen zu schaffen. Auf geht’s WERDER!

Burning Bush

(Fotos: oli-hilbring.de, Werder Bremen)

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