„Was trainieren die eigentlich?“

Ich wundere mich bei WERDER ja gerade über gar nichts, aber … junge, was ich am Samstag in der ersten Halbzeit bei der Hertha im Berliner Olympiastadion gesehen habe, schockierte mich zugegebenermaßen dann doch. WERDER in einem für meine Wahrnehmung chaotischen System, mit miserabler Defensivarbeit, kaum Zug nach vorne und gänzlich ohne Mittelfeld – kurz: Gegenüber der letzten Saison nicht ansatzweise verbessert. Irgendwann völlig verdient 0:2 in Rückstand und bereit, weitere Gegentore dankend in Empfang zu nehmen. Das war irgendwie wie gegen Illertissen – aber in schlecht.

Die Tatsache, dass man sich ein Herz fasste und sich mit einer Energieleistung am Ende „Unentschieden“ auf die Fahne schreiben konnte, beruht auf dem Fakt, dass diese Mannschaft offensichtlich Herz hat. Eine positive Erkenntnis – wenn auch die einzige ihrer Art am Samstag. Ich attestiere in angemessen zurückhaltender wie fundierter Weise: Das war scheiße.

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Die Reaktionen – insbesondere in den sozialen Medien – sind nach der Erfahrung der letzten Monate natürlich schnell hergeleitet: Die Hitsingles „Was trainieren die eigentlich?“, „Dutt muss langsam liefern“ und natürlich „So steigen wir ab“ stiegen am Samstag Nachmittag nicht ab, sondern in die Fan-Charts ein und schossen an die Spitze wie RB Leipzig. Passt alles sehr gut in die Woche der jetzt schon legendären „Ruiz-Aufsichtsratsitzung“ inkl. vorangehendem Semi-Scharmützel und Indiskretionen, wie man sie in Bremen eigentlich nicht kennt. Auch dieser Themenstrang wird z.Zt. bis ins unendliche starpaziert. Von der „größten Führungskrise der Vereinsgeschichte“ ist da die Rede, von „totsparen“ und Willi Lemke muss natürlich sowieso „raus“, wie eigentlich immer, wenn er seiner Aufgabe in unangenehmer Weise nachkommt.

Nun, das ist in den Augen vieler nach dem ersten Bundesliga-Spieltag vielleicht angemessen – aus der Sicht dieses Blogs ist es das sicher nicht (Déjàvu). Es gab eine lange Sommerpause und Neuverpflichtungen. Spieler, mit denen gerechnet wurde, finden plötzlich nicht statt (aus Gründen) und eine „breite Brust“ ist das schonmal gar nicht, was WERDER z.Zt. durch die Gegend trägt. Warum also soll dieser Mannschaft nicht die Zeit gegeben werden, in die Saison hinein zu finden? Sich selbst zu finden und System, Laufwege und Zusammenspiel zu optimieren? Ich weiß es nicht … für mich ist es logisch, dass diese Truppe nicht ab dem ersten Spieltag auf den Platz stiefelt und einen Gegner nach dem anderen vernascht.
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Nicht, dass wir uns falsch verstehen – in dieser Saison darf man mal einen Entwicklungsschritt erwarten. Nicht zuletzt, da man die Mannschaft um Akteure ergänzt hat, die man selbst wollte. Das Argument, man müsse mit Spielern arbeiten, die man nicht ausgesucht hat, stimmt dann nur noch sehr bedingt. Herz und Moral sollten einem zukünftig hin und wieder „den Arsch retten“ dürfen – aber nicht mehr als Kernkompetenz angeführt werden. Kurz: Es sollte spielerisch was gehen und ein klares System erkennbar sein. WERDER sollte bald wieder für eine bestimmte Art Fußball stehen. Das muss und darf man sicher erwarten.

Nicht aber heute. Nicht nach dem ersten Spieltag. Das geht nicht und diese Erwartungen implizieren eine Anspruchshaltung mit der ich nichts anfangen kann. Nun klar – diejenigen, die der Figur oder dem Trainer Robin Dutt von Beginn an nichts abgewinnen konnten, werden sich nicht so lange Zeit lassen, aber ich für mich werde vor dem 3. oder 4. Spiel keine Bewertungen abgeben. Nicht zielführend und auch nicht angemessen.

Samstag Heimpspiel – gegen die TSG! Bin sehr gespannt, wie das Team sich präsentiert. Ich vermute, dass es in dieser Saison wieder sehr auf die Heimspiele ankommt. Bis dahin geht’s auch nochmal rund auf dem Transfermarkt. Ob das für uns relevant ist weiß ich nicht, aber … ich wundere mich bei WERDER ja gerade über gar nichts.

Burning Bush

(Foto: werder.de)

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3 Kommentare zu „„Was trainieren die eigentlich?“

  1. Muss mal ganz ehrlich sagen, dass das hier mein liebster werder blog ist, gerade weil ich nicht immer mit ihm übereinstimme und hier dennoch ich überzeugt werde durch eine sachlich darstellung mit argumenten. Auch weil der Schreibstil ein hohes niveau hat.

    Thumbs up

  2. Wenn Dutt vor dem Spiel sagt, dass er schon ganz gerne mehr Qualität, schnelles passen etc. sehen würde, „schließlich haben wir das ja die letzten sieben Wochen täglich trainiert“, darf man das dann als übertriebene Anspruchshaltung ansehen?
    Wenn der Trainer schon so etwas erwartet, darf man das als Fan dann nicht auch?

    Man darf bitte nicht vergessen, dass Dutt einer der wenigen Trainer war, der – bis auf einen Spieler – die gesamte Mannschaft über die gesamte Vorbereitung zusammen hatte. Es brauchten nur 3 Feldspieler neu eingebaut werden und „nur“ der Verlust von Hunt aufgefangen werden.

    Die Hertha hingegen hat deutlich mehr Potential verloren und ein halbes Dutzend neue Spieler geholt.

    Da frag ich mich, warum die schon ein recht ansehnliches Spiel hingelegt haben, Werder aber nicht.

    1. Ist natürlich was dran. Ich behaupte aber auch weder, dass die Mannschaft einen guten Eindruck gemacht hätte, noch, dass sie zu diesem Zeitpunkt nicht einen wesentlich besseren hätte machen können. Mir geht es um den Zeitpunkt und das Ausmaß der Bewertung. Ich finde es zu früh. Das ginge mir aber exakt genau so, hätte man am Samstag stark gespielt und 4:0 gewonnen.

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