A PRE-SEASON FRIENDLY (PT.2)

Heute gibt es den zweiten Teil unseres kleinen Gespräches (Hier geht’s zu PART 1). Ein paar interessante Themen fanden sich in dieser Woche, zwischen DFB-Pokal und Saisonauftakt in Berlin natürlich noch und es war mir erneut ein inneres Double, zusammen mit den beiden Ausnahme-Bloggern Steffen und Sebastian von »vert et blanc hambourg« laut über WERDER nachzudenken.

Burning Bush   Kurz vorab – ein kleines Fazit zur Vorstellung in Ulm gegen Illertissen?

/snb   Zweite Runde – Abfahrt!

/spe   Oha, ich möchte über das Spiel eigentlich gar nicht sprechen. Ich würde es auch nicht als repräsentativ für den Stand der Vorbereitung sehen, hoffe ich wenigstens. So etwas ist aus der Ferne ja immer schwierig zu beurteilen, aber ich gehe mal davon aus, dass da gegen Illertissen vor allem Altlasten im Spiel waren, die Erstrundenfluch-Psychologie. Das erklärt ja auch Robin Dutts überraschende Einwechslungen: Mit Selke und Busch brachte er nach eigenem Bekunden Spieler, die bisher nicht die Erfahrung eines Ausscheidens in der ersten Pokalrunde machen mussten und von denen er sich entsprechend versprach, dass sie unbeschwerter aufspielen können…

Burning Bush   Das geht mir ähnlich. Ich möchte das Gesehene nicht überinterpretieren. WERDER traf als Mannschaft, deren 4. Erstrundenaus nacheinander einer Komplett-Blamage gleichgekommen wäre auf eine Mannschaft, die ebenfalls regelmäßig trainiert, vor eigenem Publikum auftrat und richtig Vollgas gegeben hat. Möchte nichts entschuldigen – für mich ist die Nummer aber mit dem Sieg durch. Am Samstag in Berlin beginnt die Bundesliga. Da sollte man anders auflaufen. Wenn sie das tun – geschenkt, was Sonntag war. Sehen wohl auch viele andere so. Den Eindruck gewinne ich wenigstens, wenn ich mal so einen Moment lang in die sozialen Medien linse.

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/spe   Optimale Überleitung! Es gibt ja mittlerweile eine recht lebhafte Social Media-Szene rund um die Bundesliga. Also Blogs, Podcasts und so. Mir fehlt zwar ein umfassender Überblick, was die Aktivitäten bei anderen Vereinen angeht, aber ich habe den Eindruck, dass wir bei Werder Bremen da ganz gut und auch mit einem sehr breiten thematischen Spektrum aufgestellt sind. Ich habe gleich zwei Fragen dazu: Erstens: Dein Blog startete 2013, mitten in den Wirrnissen um Thomas Schaaf. Wie würdest Du rückblickend Deine Erfahrungen beschreiben? Was nimmst Du mit aus Deiner Zeit als Werder-Blogger? Und zweitens: Wie siehst Du die Zukunft für solche Formate? Gerade auch vor dem Hintergrund, dass der Verein in letzter Zeit in dieser Hinsicht aktiver geworden ist (beispielsweise durch Dominik Kupilas alias @kupi10, Werders Social Media Manager), als auch vor dem Hintergrund, dass wir ja in der letzten Saison den Versuch unternommen haben, mit der #hashtagmafia die meisten grün-weißen Blogaktivitäten in loser Form zu bündeln?

Burning Bush   Meine Erfahrungen sind sehr positiv. Natürlich im Rahmen dessen, was man erwarten kann. Die bevorstehende Zäsur in Sachen »Werder & Thomas Schaaf« gab mir 2013 letztlich den Anlass, etwas zu tun, das ich lange tun wollte: Die Beobachtungen rund um das Geschehen meines Vereins samt Einschätzung WARUM WER WAS tut zu dokumentieren und kommentieren – darum ging es mir. Keine Spielanalysen, kein Zusammentragen von Daten und Fakten oder Klärung von Systemfragen. Das gibt es alle schon – und zwar richtig gut, gerade auch innerhalb der grün-weißen Fanszene. Mein Blog #werder2013 rennt mittlerweile richtig gut und die Rückmeldungen (Leider nach wie vor zu 95% via Email, WhatsApp oder PN – Kommentarfunktionen scheinen etwas hässliches zu haben) zu den einzelnen Beiträgen machen Spaß. Was die Zukunft solcher Blogs angeht, kann man aber getrost davon ausgehen, dass die Zahlen mittelfristig nicht explodieren werden. Das alles dauert, zumal sowas auf vielen Ebenen noch kaum verstanden bzw. getragen wird.

Bei WERDER passiert, wie von Euch angesprochen, tatsächlich mittlerweile etwas. Das ist toll zu sehen, muss aber weiter vorangetrieben werden. Social Media-Giganten wir Arsenal z.B. sind uns und der ganzen Bundesliga um Lichtjahre voraus. Letztlich ist immer die Frage, wie ein Verein solche Neuerungen annimmt. Ich sehe eine Aktion, wie den #Fanreporter  (Der SVW wurde in diesem Sommer von einem »Fan« begleitet, der via Twitter diverse Impressionen aus dem Zillertal zum besten gab) zwar zum einen vollkommen positiv – nehme im nächsten Gedanken aber wirklich verschenktes Potential wahr. Warum nicht täglich »3 Fragen Talk mit Spieler«? Warum fährt der #Fanreporter bei der Radtour nicht mit? Das alles sind Bereiche, in denen keiner viel »kaputt machen« kann – mit denen WERDER aber ganz stark Eindruck machen würde.

Anderes Thema: Einbindung der neuen Medien in die Informationspolitik des Vereins. WERDER würde es wirklich gut stehen, einer der ersten Vereine zu sein, der seine Blogger ein Stück weiter ins Boot holt. Es muss nicht direkt die Einladung zu Pressekonferenzen sein, wie teilweise in anderen Vereinen üblich, aber über die generelle Aussendung von Pressemitteilungen an konstante Werder-Blogs beispielsweise, sollte man sich konkret durch den Kopf gehen lassen. So unterschiedlich die Fangruppen (hier zeigt man sich oft stolz aufgrund der Vielfalt), so unterschiedlich die Informationskanäle dieser Menschen. Der eine will nicht mehr, als seine Tageszeitung oder werder.de. Der andere interessiert sich für ganz andere Ansätze oder möchte seine Infos über die konventionelle Berichterstattung hinaus mit einem Blog ergo Meinung ergänzen.

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Ich denke, ein Stück Zukunft liegt in der Unabhängigkeit einiger Blogs. Wenn ich mir z.B. ansehe, was wir bei hashtagmafia.de zusammentragen, dann kann ich nur sagen, dass diese Inhalte gepaart mit der öffentlichen Berichterstattung ein sehr umfangreiches Bild in Sachen Werder Bremen zeichnen. Ich nutze das und ich kenne immer mehr Leute, die das genau so haben wollen. Im Blog kann Dinge tun, die ich als Redakteur oft nicht kann – sagen und schreiben, was ich möchte, ohne Rücksicht auf Etikette, Vorgesetzte oder politische Zwänge.

Um die Frage nach der Perspektive nochmal explizit zu beantworten: Es ist ein unlukratives, hartes Brot – welches zeitlich und finanziell kaum irgendwann einmal den Aufwand rechtfertigen wird, aber es entwickelt sich etwas, und es macht Spaß dabei zu sein.

/snb   Ich möchte das aus meiner Warte noch mal ganz deutlich unterschreiben. Ich finde es großartig, dass letzte Saison mit der Hashtagmafia so ’ne Art digitales Sammelbecken gestartet ist, fast wie ein Dachverband für die traditionellen Fanclubs. Und wenn man da so durch die Leseliste blättert finde ich es abgefahren, was für unterschiedliche Texte da laufend reinflattern. Wäre das nicht durch Zufall entstanden, hätte man es erfinden müssen. Hoffe auch, dass sich da in Sachen Wahrnehmung noch ein bisschen was tut… – aber gut Ding und Weile und so.

/spe   »Aufbruch statt Umbruch« ist womöglich auch ein gutes Motto für Werders Netzaktivitäten? Ich bin da jedenfalls ähnlich guter Dinge, was Dominik und seine Arbeit angeht. Und man spürt ja auch Resonanz, letzte Saison zum Beispiel, als Werder sofort auf das #svw statt #bre-Ding einstieg, auch gegen die offizielle Sprechweise bei der Liga. Das gefiel mir sehr gut… – haha, jetzt wird’s am Ende doch noch ’ne Art Saisonrückblick hier…

Burning Bush   Unabhängig von all diesen Entwicklungen gibt es das »Kerngeschäft« Stadionbesuch. Wie sieht der bei Euch aus? Ich selber würde mein grün-weißes Umfeld alles andere als homogen bezeichnen. Ich stand in der Ost, sitze auf der Süd, bin befreundet mit Menschen diverser Fanclubs, und kenne bei den Ultras (und ich meine nicht die TWITTER-Ultras, sondern die zum Anfassen) Leute, wie auch im VIP-Bereich. Wie und wo bewegt Ihr als »adornitisch inspirierte Fans« (haha, finde ich übrigens sehr gut) Euch bei Werder? Das ich Euch in der Kurve finde, ist mir klar – aber wo genau ihm Weserstadion fühlt Ihr Euch zu Hause?

/spe   Im Soziologenblock! Stehplatz, haha…

/snb   Ost natürlich, soviel Zugeständnis an den gerade auch bei uns viel gescholtenen Traditionalismus darf sein! Klar, haben wir auch hin und wieder woanders gesessen, aber das funktioniert für mich einfach nicht. Ich will den gemäßigten Wahnsinn, also nicht mehr mitten im Mob – aber beim Tor für Werder mit wildfremden Leuten in den Armen liegen, das geht schon ganz gut.

/spe   Da gibt es ja auch persönliche Bekanntschaften und so ein Milieu, das in Bremen für ’ne Bundesligakurve auch sehr erträglich ist. Klar, gibt es da immer auch mal was zu meckern; das nervige »Sieg!«-Stakkato etwa oder die eine oder andere (wahrscheinlich nicht loszuwerdende) Ausfälligkeit. Aber da ist die Ost tatsächlich nicht der schlechteste Ort, da funktioniert die vielbesungene »Selbstreinigung« der Kurve ja auch meistens. Wie letzte Saison, beim Spiel gegen Hertha. Und das ist auch wichtig und richtig so. Ich hoffe, dass das in Bremen auch so bleibt. Ist ja auch immer ’ne Gratwanderung und man sollte den Status quo nie für sicher halten… – zu der Soziologen-Nummer noch mal: das Ding werden wir nicht mehr los, was?

/snb   … naja, da sind wir ja auch nicht ganz unschuldig dran.

/spe   Klar, das passt ja auch schon. Und die inhaltliche Fundierung bei den anderen Werder-Blogs ist ja auch solide genug, dass man da so Vögel wie uns mit durchschleppen kann. Zwei Dinge sind mir dabei aber wichtig: Für mich war vert-et-blanc.net immer mehr als »nur« ein Fußballblog (obwohl wir das natürlich auch sehr gerne sind); es ging uns immer um eine andere Perspektive: auf (Pop-)Kultur, Politik und eben Werder. Das führt dann mitunter dazu, dass Artikel zur Kritik am »modernen Fußball« für mehr Resonanz sorgen als das grün-weiße Kerngeschäft. Aber anyhow! Nur für’s Protokoll, wenn wir schon bei der Soziologie sind: Ich habe ja immer lieber Luhmann gelesen als Adorno… Bielefelder Schule, haha!

Weserstadion

Burning Bush   Definitiv! Mein erfolgreichster #werder2013-Artikel dreht sich um den FC Bayern – traurig aber wahr! Aber ok … wir hatten das im ersten Teil unseres Gespräches ja schon angerissen – trotzdem nochmal ganz genau: Was sind Eure grün-weißen Herzenswünsche für die neue Spielzeit?

/snb   Jetzt wo die Bayern müde aus der WM kommen – unter Meisterschaft geht da ja nix! Nee, im Ernst: Mehr Freude als Leid. Das würde mir reichen.

/spe   Ich wünsche mir einfach ’ne etwas entspanntere Saison als die letzte. Sportlich wäre es schön, diesmal auch gefühlt nichts mit dem Abstieg am Hut zu haben. Wir werden Dutts Handschrift mehr und mehr erkennen und schnelles Umschaltspiel und konstanteres Pressing zu sehen bekommen, hoffentlich auch sichereres Passspiel. Die Platzierung ist mir am Ende gar nicht so wichtig – so lange Werder in der ersten Liga bleibt und (mindestens) zweimal den HSV schlägt… Ich freue mich auch auf die neue U23 und auf ein paar entspannte Sonntage auf Platz 11.

Burning Bush   Bei mir selber ist das auch irgendwie simpel – Fußball wünsche ich mir – sagen wir einfach mal doppelt so viel, wie in der vergangenen Saison. Dann wünsche ich mir, dass TE & RD die getane Arbeit fortsetzen. Was ersterer aus »nichts« macht, finde einigermaßen krass und ich bin guter Dinge, dass der Trainer die vorhandene Mannschaft in den kommenden Monaten entwickelt.

Ich wünsche mir, dass Klaus Filbry (mit dem ich noch nicht so recht warm werde) und sein Team den Verein in finanziell bessere Fahrwasser bringen. Wer die Vita dieses Mannes kennt, der weiß, dass wir auf diesem Sektor überdurchschnittlich gut besetzt sind. Stadionnamen »Weserstadion« finde ich traumhaft – wird sich mittelfristig aber nicht halten lassen. Ebenso wie man über kurz oder lang nicht auf Investoren wird verzichten können. Versteht mich nicht falsch – ich bin wirklich nicht dafür, alles zu verramschen oder sämtliche Traditionen mit Füßen zu treten, um Erstligafußball zu sehen. Aber ich sehe die Notwendigkeit, unseren Verein fitmachen zu müssen für die die kommenden Jahre, die wohl kaum ein Zuckerschlecken werden. Wir können Traditionen retten – das fängt beim Umgang mit den Spielern und untereinander an. Da kann jeder etwas um Tradition zu wahren. Da hörts aber bei einigen schon auf, die das Wort »Tradition« für gewöhnlich als erste am lautesten schreien.

Lange Rede kurzer Sinn: Wir hatten es ja schon, aber wenn wir es in der Spielzeit 2014/2015 schaffen, den Umbruch wirklich in einen Aufbruch zu verkehren, dann wären meine Wünsche soweit in Erfüllung.

/spe   Aber das Weserstadion muss schon weiterhin so heißen

Burning Bush   So, es war mir ein Fest und ich würde mal sagen, wir sehen uns in der Winterpause wieder oder? Bis dahin 3 Fragen: Welcher Spieler startet in der Hinrunde durch? Wer könnte enttäuschen? Wie geht unser Saisonauftakt in Berlin aus? Ich verabschiede mich mit einem überzeugten »Hajrovic – Theo – 1:2« und sage bis bald!

/spe   Ja, mir auch! Ich würd’ spontan Caldirola und/oder Galvez vorschlagen als Durchstarter, potentielle Enttäuschungen behalte ich mal lieber für mich. Und 1:3 gegen Hertha – das wär was!

/snb   Ja, danke auch von mir. Ich hoffe, dass Obraniak durchstartet! Jetzt mit ’ner ernsthaften Chance. Skeptisch bin ich bei Petersen, obwohl ich ihn für einen wirklich guten Typen halte. Ich hoffe daher einfach mal, dass ich Unrecht behalte und Nils 12, 13 Buden macht. Und 0:2! Allez les Verts!

Burning Bush

(Fotos: »vert et blanc hambourg« / #werder2013)

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2 Kommentare zu „A PRE-SEASON FRIENDLY (PT.2)

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