„Mannschaft“ neu definiert

Das war ein großes Finale. Wohl das beste, das ich in meinem noch jungen (is klar) Leben gesehen habe. Fight! Eine enorme Energieleistung, mit der sich diese deutsche Mannschaft dann doch noch den mittlerweile mehr als verdienten Titel in die Tasche steckt. In fußballerisch und menschlich sehr überzeugender Art und Weise.

Als betont nicht besonders großer Freund der Deutschen Nationalmannschaft ging ich vor Wochen in das Turnier. Selbst während der Vorrunde vor Ort in Brasilien erschloss sich mir die überragende Eigendynamik innerhalb dieses Teams nur ganz langsam. Diesen Spirit, den es braucht, um so etwas großes zu erreichen. Der Begriff „Mannschaft“ wurde in den letzten 4 Wochen neu definiert. Von „die Jungs von der Bank“ ist da oft die Rede oder denen, die „daheim bleiben mussten“. Gestandene Premier League Profis reichen ihren Mitspielern auf dem Feld Wasserflaschen und augenscheinlich spielen Neid, Missgunst oder Frustration aufgrund von Nichtberücksichtigung durch den Trainer keine Rolle.

Ich habe nach wie vor Probleme mit bestimmten Handlings von Trainer und DFB. Schleichende Ausbootungen früherer Nationalspieler, waren in ihrer Summe kein Zufall und ich befürchte, es wird auch zukünftig wieder zu solchen Dingen kommen. Kurz: Die Kommunikation, insbesondere negativer Nachrichten an und für Einzelne Spieler, sehe ich dann und wann sehr kritisch.

Sportlich muss man Joachim Löw allerdings ein riesiges Kompliment machen. Team und Trainer haben gewichtige Ausfälle kompensiert, sich felxibel auf Veränderungen eingestellt, Fehler im laufenden Prozess korrigiert und sich permanent gesteigert. Man kann das Lied von der „Turniermannschaft“ einfach nicht mehr hören – aber es ist das einzig richtige Lied.

Absolut bemerkenswert für mich im Übrigen die Tatsache, dass Joachim Löw den letzten benötigten Beweis angetreten hat, dass ein Trainer mitnichten die besten Spieler, sondern ein für ihn passendes Team zu nominieren hat. Spätestens mit dieser Performance wurde das vollkommen deutlich. Gegen alle Kritik, von der es mehr als genug gab. Sehr spannend, weiter zu beobachten, wie sich das Standing des Bundestrainers entwickelt. Sie haben ein Problem mit diesem Mann, irgendwie. Er ist wie er ist und zieht Dinge durch – vielleicht ist es das.

Im Zusammenhang mit Joachim Löw gibt es für mich übrigens einen weiteren Gewinner dieser WM: Jürgen Klinsmann. 2006 zusammen mit Löw und Bierhoff in überragender Manier die Begeisterung der Deutschen für Ihre Nationalmannschaft aus dem hundertjährigen Schlaf gerissen, küsste er nun als US-Coach endlich die in Untiefen schlummernde Fußball-Liebe der Amerikaner wach. Für mich eine wahnsinnige Leistung, mit der Klinsmann sich nach dem eigenen Zenit 2006 und Rückschlägen in Sachen FC Bayern zurück ins Business und an den Puls des aktuellen Fußballgeschehens katapultieren konnte.

Um meinen Pflichten als Berufs-Pessimist in gehörigem Umfang nachzukommen: Die Diskussion um „Schland“ und „Nationalstolz“ ist kaum zielführend und wird von vielen verharmlost, dessen bin ich mir sicher. Auch die leichtgemachte und teils deutlich überzogene Kritik, wenn es mal nicht so läuft, gibt zu denken. Ich vermute stark, dass Menschen wie Löw, Götze oder Özil (Was hat es eigentlich mit dem „Ö“ auf sich?) bei schlechteren Ergebnissen, nach dem Turnier stark angegangen worden wären. Von den gleichen, die jetzt jeden Satz mit „Wir“ beginnen. So ist es wohl normal – ich mag es trotzdem nicht.

Nun war’s das mit der Fußball-WM 2014 in Brasilien. Für mich war es die beste WM, an die ich mich erinnere. Hatte eine überragende Zeit in Südamerika und es gab wahnsinnig begeisternde Spiele mit vielen Toren. Ich habe meine Liebe zu so manchem Team entdeckt – sogar ein bisschen die zum deutschen. Die WM im Internet hat mich ebenfalls begeistert – Wahnsinn, was da geht! Die FIFA ist ein Scheißladen, ich kann es nicht anders ausdrücken – aber diese Ding mit Fußball-WM & EM ist geil. Davon komm ich nicht runter.

Jetzt freue ich mich tierisch auf die Bundesliga mit WERDER BREMEN. Das ist „Kerngeschäft“ und ich liebe es noch ein bisschen mehr als die großen Turniere. Ein paar Wochen Ruhe, dann geht’s los – mit einem Sieg in der 1. Pokalrunde.

 

Burning Bush

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4 Kommentare zu „„Mannschaft“ neu definiert

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