„… wir sind ja alle Deutsche“

„Wir brauchen von allen Unterstützung. Von allen rund um den Verein, von den Medien, der Presse – wir sind ja alle Deutsche.“ (Thomas Müller)

Ich bin kein Bayern-Gegner, geschweige denn -Hasser. Gute Freunde von mir sind Bayernfans und ich hatte nie ein großes Problem mit diesem Verein. Sie waren mir eigentlich immer egal – neuerdings, da sie ja in einer komplett anderen Sportart unterwegs sind erst recht. Gut, ich hab sie nie gefeiert und starke Gegner „auseinanderzukaufen“ fand ich immer eher höchstens geht so. Hoeneß ging mir auf den Sender (den regelmäßigen Fight mit Lemke vor Spielen habe ich sehr wohl gefeiert), und ihre jährlichen Verkleidungsarien zum Oktoberfest habe ich als Nordlicht immer irgendwie belächelt …

… aber: Sie waren mir grundsätzlich egal, echt jetzt.

Eine Sache um diesen Verein herum hat mich allerdings von jeher massiv irritiert und wird mich wohl mein Leben lang davon abhalten, ihnen auch ab und zu mal die Daumen zu drücken, zu sagen „Hey, es sind die Bayern, aber das jetzt wäre ihnen ja wirklich zu gönnen!“ – sportlich fair einer Mannschaft Respekt zu erweisen, die es verdient hat. Und das ist die Haltung und das Selbstverständnis von großen Teilen des Clubs und seiner Anhängerschaft.

Dieses anti-subtile „MIA SAN MIA“-Ding, was dort teilweise vor sich her getragen wird und das in seinen, mancherorts zu beobachtenden, Auswüchsen mit Arroganz oder Überhelblichkeit kaum noch treffend beschrieben wäre. Da wäre z.B. ein Trainer, der bei Pressekonferenzen vor Liga-Spielen in Bezug auf die anstehende Aufgabe in der Bundesliga von einem „guten Test“ spricht und diese Haltung in mittlerweile schöner Regelmäßigkeit zu Tage trägt. In seiner „Kernkompetenz Fußball“ ein Meister seines Faches, dessen latente Respelktlosigkeit gegenüber einer ganzen Liga aber nicht ansatzweise die Feinheit des Zwirns besitzt, den er so gerne trägt. Wie auch „Seniore Sprechautomat Sammer“ wertet er andere Vereine mutmaßlich nicht bewusst ab – die Gedankenlosigkeit diesbzgl. unterstreicht aus meiner Sicht aber wenigstens die Theorie  der Überheblichkeit.

Teile der Anhängerschaft des Branchenprimus stehen den Offiziellen da aber in fast nichts nach. Wenn das aktuell größte Bayern-Blog Miasanrot.de sich  im Vorfeld eines Spiels gegen WERDER BREMEN Großspurigkeiten wie „Daher bietet sich das Spiel, wie kaum ein anderes, für einen Kantersieg an. Auch wenn man natürlich einräumen kann, Schonung und Regeneration wäre wichtig – ein gepflegtes Warmschießen für den kommenden Dienstag wäre für Spieler und Umfeld essentiell (…)“ nicht verkneifen kann, dann finde ich das gar nicht mal unsportlich – ich kann mich nur überhaupt rein gar nicht in so ein Selbstverständins hineinbeamen. Wie breit kann eine mentale Brust sein oder anders gefragt: Wer an der Isar hat das Understatement verzockt? Paul Breitner wurde es auf jeden Fall auch nicht zugespielt. Der rundete die Demonstration bajuwarischer Zurückhaltung im Sport1-Doppelpass mit den smarten Worten „… was wir gegen Bremen in der zweiten Halbzeit gezeigt haben. Das war ein schönes Aufwärmtraining.“ in unnachahmlicher Art ab. Chapeau!

LogoBayern

So Aussagen wie die von Breitner werte ich inhaltlich nicht einmal als falsch – worum es mir geht, ist die immer wieder neue belegte Tatsache, dass man in München mit sportlicher Fairness oder respektabler Art und Weise gegenüber Gegnern nicht mehr viel am Hut hat, wenn es ans Eingemachte geht. Darauf hätte ich in Bremen – egal wie groß die Erfolge auch wären – null Bock.

Das ist und bleibt total uncool. Und vor allem ist es ein Grund dafür, dass es mir nie wirklich gelingen wird, zu den Bayern zu halten oder ihnen bei wichtigen Spielen auf europäischer Bühne die Daumen zu drücken, warum ich beruflich und auch privat nicht, wie von Thomas Müller gefordert „deutscher“ oder Bayer oder was auch immer bin. Ich weiß oft nicht, was ich bin – aber ich bin keiner von Euch, echt jetzt.

 

Burning Bush

 

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