Dabei sein ist alles.

Vorbei die Zeit der gewünschten Platzierungen – einfach nur dabei sein in der Bundesliga. Kein anderer Wettbewerb ist akzeptabel oder wäre einfach nur vorstellbar. “Vielleicht müssen wir einfach mal absteigen, vielleicht tut uns 1 Jahr in der 2. Liga gut.“ heißt es in den letzten Wochen oft im WERDERland. Diese Hitsingle läuft rauf und runter, mit dieser Mischung aus zynischem Beat und äußerst resignierter Melodie erreicht sie mittlerweile auch die Herzen der ganz großen Optimisten.

Aus meiner Sicht ungefähr so versuchte Gehirnwäsche, wie Andrea Berg. WERDER BREMEN darf nicht absteigen – und das hat nichts damit zu tun, dass Ich keine Lust auf Aue, Bielefeld oder Karlsruhe hätte. WERDERs Infrastruktur und Gesamtsituation würde das kaum verkraften und für mich wäre der zu erwartende Schaden im Verein aus heutiger Sicht kaum abzuschätzen. Nein – Bundesliga muss angesagt sein. Dabeisein ist alles, absolut alles.

Man verlor übrigens am Wochenende mal wieder – nun 1:5. Zu Hause. Macht man natürlich nicht, aber es passiert. Gegen diesen Gegner schien in der aktuellen Verfassung aus meiner Sicht zu keinem Moment ein Sieg möglich. Nicht während des Spiels, nicht davor. Das Ergebnis in der Höhe in Ordnung. Was mich allerdings langsam zur Verzweiflung treibt, ist die Art, wie diese Mannschaft so ein Spiel absolviert. Da ist – auch wenn alle Aktiven und Offiziellen das nach dem Spiel anders gesehen haben wollen – nicht die Einstellung zu sehen, die ich erwarte. Nachdem es in den vergangenen Tagen “laufen bis zum Kotzen“ hieß und der Coach den Begriff „Wettkampfmentalität“ unter der Woche derart überstrapaziert hatte, dass man befürchten musste, der Schiri müsste aufpassen, nicht nach 10min. ins Krankenhaus gegrätscht zu werden, war ich gelinde gesagt enttäuscht. Es muss nicht zwingend jeder Spieler 90min. rotgefährdet über den Platz schießen, aber Körperspannung ist irgendwie anders. Hier ist unser Neuzugang Ludovic Obraniak hervorzuheben, der mit sehr vorzeigbarem Biss an die Sache heran ging – wenige Nachahmer, leider. Dass sich der BVB beim Toreschießen dann wohl eher vorkam wie in einem besseren (oder schlechteren) Trainingsspiel, war nichts Neues. Werderblog.net hält hier eine ausführliche und versierte Zusammenfassung bereit.

werder-sportdirektor-thomas-eichin-r-steht-weiterhin-zu-trainer-robin-dutt-

Robin Dutt wirkte angeschlagen in der vergangenen Woche. Sauer und richtig angefressen. Ohne Zweifel zu Recht. Was aktuell auf dem Rasen abläuft spottet jeder Beschreibung. Er weiß genau, dass man es ihm anlasten wird, wem auch sonst. Ich habe in vielen Beiträgen meine positive Meinung zur Person Dutt kundgetan. Ich mag nach wie vor Vieles an ihm, dennoch gesellen sich natürlich mittlerweile Unsicherheiten dazu, gegen die ich mich nicht wehren kann. Er hat Fehler gemacht in den letzten Monaten, Wochen und Tagen und seine Kommunikation und Außendarstellung lassen in ihrer Qualität unter solchem Druck natürlich nach. Spielerisch ist so gut wie nichts von dem nachweisbar, was angekündigt wurde. Das alles ist bitter und macht einem im Hinblick auf den finalen Kampf um den Klassenerhalt echt Angst.

Der Trainerwechsel steht im Raum. In der Fanszene sowieso –  fangruppenübergreifend sind sich viele Köpfe einig, es muss gewechselt werden. Von Vereinsseite gibt es dazu aktuell ein klares Statement von Thomas Eichin.

“Ich lasse bei Werder überhaupt keine Trainerdiskussion aufkommen. Ich habe auch klargestellt, dass ich diese Frage nicht mehr beantworte. Das mache ich heute hier zum letzten Mal.” 

Da ist momentan nichts zu erwarten. Oft gehört in der Bundesliga – oft erstaunt 2 Tage später. Die deutlichen Worte lassen aber in diesem Fall darauf schließen, dass Robin Dutt auch gegen den HSV noch auf der Bank sitzen wird, vorausgesetzt WERDER bekommt nicht noch zwei Mal fünf Tore bis dahin. Ich teile diese Haltung und Entscheidung insgesamt. Das hat einen simplen, wie traurigen Grund: Ich befürchte ganz stark, dass man in dieser Mannschaft nicht einmal mit einem Trainerwechsel den berüchtigten „psychologischen Effekt“ erzielen und einen positiven Trend starten würde. Ich glaube vielmehr, diese Truppe ist gefangen und kann sich nur selbst befreien, ohne hier in die esoterische Ecke abdriften zu wollen.

Abgesehen davon wartet sowieso kein Zauberer darauf, WERDER aus dem Loch zu holen. Neben der Tatsache, dass ich Eichin zu 100% abnehme, da mit Dutt durchgehen zu wollen, gibt es kaum Alternative. Die klassische Lösung des Feuerwehrmanns scheint überholt. Ambitionierte und renommierte Fußballehrer sind zu teuer und Peter Neururer führt geraden den Vfl Bochum … … … ich weiß gar nicht wohin. Die sportliche Leitung hat einen Plan und die Tatsache, dass die Umsetzung länger dauert, als von vielen erhofft erklärt diesen Plan noch nicht für nichtig. Wie am Sonntag im „Sport1 Doppelpass“ von Claus Strunz völlig richtig aufgezeigt: Das “Change Management“ ist heute eine der größten Aufgaben des Vereins – in Bezug auf Erwartungen und Möglichkeiten dieser Zeit stochern viele Fans und Anhänger nämlich noch im Nebel. Immer wieder wird hier deutlich zu hoch angesetzt.

Es soll nicht der Eindruck entstehen, der aktuell gespielte Fußball würde reichen für Liga 1. Das ist mit, an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, nicht so. Klar haben wir mit dem HSV einen Verein, der gerade nichts dafür tut, ansatzweise die Nase vorn zu haben und mit Nürnberg oder Freiburg Teams, die alle Optionen offen lassen – einzig Braunschweig macht Hoffnung – aber bei dem berühmten Blick auf das Restprogramm, fällt es einem gar nicht so schwer, sich ein Montagabend-Spiel gegen den FC Ingolstadt zu vergegenwärtigen. Weiter geht es gegen Borussia Mönchengladbach. Die haben uns ja mächtig zerlegt im Hinspiel. Wieder nicht viel zu erwarten, möchte man meinen. Aber wie das bei uns “Betroffenen“ ja so ist (auch sehr schön bei „Hamburg ist grün-weiss“ beschrieben) – ab Mitte der Woche steigen Hoffnung und Erwartung wie von selbst und spätestens zum Anpfiff haben die Fohlen keine Chance mehr … oder so ähnlich. Schon gar nicht zu Hause. Im Grunde schielt man bereits auf die Eintracht aus Frankfurt und das 100. Nordderby gegen den HSV. Letzteres bietet sich zum absoluten Befreiungsschlag natürlich an – irgendwas sollte bis dahin aber definitiv auf dem Punktekonto landen.

“Zu positiv“, “völlig verklärt“, “verharmlosend“ – das feedback auf diesen Text wird partiell vernichtend sein, logo. Der aktuelle grün-weiße Befindlichkeitskocktail aus Ratlosigkeit, Glaube & Hoffnung, verleiht mir aber exakt diese Meinung zur Sache. Im Übrigen habe ich ja die Wahl – wenn die Spiele Woche für Woche nichts anderes als negative Kritik und Frust in mir hervorrufen, dann gehe ich Eisessen oder Rollschuhfahren.

#werder2013

facebook_logo_klein

Advertisements

3 Kommentare zu „Dabei sein ist alles.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s