Übungsfirma SVW

Die EURO 2016 (ergo mieseste Fußball Europameisterschaft ever) ist Geschichte. Mit unterirdischem Charme, allgegenwärtiger Terrorgefahr, Opas und Kinder in Kuchenblöcken verprügelnden Hooligans und einer Zensur, mit der die UEFA tatsächlich mal neue Maßstäbe setzte, erzeugte dieses Turnier bei mir persönlich sehr schnell eines: Bock auf Werder Bremen!

Kam für mich dann schon überraschend, dachte ich doch, nach der katastrophalen letzten Spielzeit sei ich unter Umständen endlich gänzlich geheilt.

Nein.

Die Mannschaft, bzw. was davon übrig blieb a.k.a. bereits existiert, trainiert bereits. Gut und schön, interessiert mich genau genommen aber eher sekundär. Mein Interesse gilt vermehrt den „Machern“ (Arbeitstitel). Unseren Werderanern auf Lebenszeit Frank Baumann, Viktor Skripnik, Marco Bode & Co. – werden sie etwas notwendiges bewegen?

Meine Betrachtung der Szenerie ist vernebelt. In meiner vorauseilenden und ungeduldigen Art schlage ich mich seit Wochen mit einer großen Enttäuschung herum. Die Enttäuschung über Marco Bode, den Aufsichtsratsvorsitzenden des SV Werder Bremen, über dessen Engagement im Verein ich mich seit Jahren freue, von dem ich viel mehr Einflussnahme gefordert hatte und der als Person nach meiner Einschätzung jedem Verein gut täte. Seine Personalentscheidung um Thomas Eichin hat mich regelrecht schockiert. Dazu ist alles weitere hundertfach gesagt. Ich muss das abschütteln, bei meinen Beobachtungen und Einschätzungen, bei der Bewertung von Viktor Skripnik als Trainer und vor allem der Arbeit von Frank Baumann. Es gelingt mir nur bedingt. Ich sehe Werder Bremen auf einem Holzweg mit sehr breiten Planken. Den Holzweg des geringsten Widerstandes – mehr oder weniger ohne Reibung und ohne benötigtes Gegengewicht zur kontroversen Diskussion und Meinungsfindung.

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(Foto: www.kicker.de)

Trainer und Sportdirektor lassen in Sachen Außendarstellung jetzt schon tief blicken. Spieler werden abgegeben, weil man bei einer Absage nicht mehr davon hätte ausgehen können, dass dieser „sich noch vollumfänglich engagiert“ (dass man sich durch sowas erpressbar macht, ist ein alter Hut, sagt man aber nicht), der Trainer, der lt. Baumann in seiner Amtszeit viele Spieler weiterentwickelt habe, stellt fest, dass der Kader jetzt schon „gut genug“ sei, und insgesamt gewinne ich mehr und mehr den Eindruck, man ist bei seinen Transferaktivitäten unvorbereiteter denn je.

Die Übungsfirma SVW hat ihren Dienst aufgenommen und ich hatte selten ein schlechteres Gefühl bei der ganzen Sache. Die Bundesliga ist in Zeiten des allgegenwärtigen Existenzkampfes kein Testgelände und wenn ich mir die Meinungen vieler, von mir als wirkliche Werder-Kenner geschätzter Kollegen und Freunde anhöre, dann muss ich meine subjektive, aktuelle Angst nicht einmal hinterfragen.

Ich werde der Erste sein, der zurückrudert, all seine Zweifel und ggfs. existierenden Vorurteile über Bord wirft – das ist sicher. Momentan bin ich bei allem, was ich höre, lese und sehe aber mehr als verunsichert.

Burning Bush